ITV 2026 und Aschaffenburg

Das Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg (ITV) stand 2026
wettermäßig unter einem schlechten Stern.
Der Besucherandrang war gemessen an den Vorjahren eher bescheiden.
Da das südlich gelegenen Feriendorf nicht mehr im Betrieb ist,
verteilte sich unsere Truppe
auf 2 Ferienwohnungen in Gedern. Eine angenehme Lösung die bei
dem kühlen Wetter
mehr Komfort bot als der Zeltplatz.
Am Mittwoch Abend traf man sich beim Inder.
Donnerstag ging es wegen der wechselnden Regengüsse erst am
Nachmittag auf dem Platz.
In einer Wolkenlücke konnte schon auf der ersten Wiese mit
einem 4-Zoll-Heliostar die Sonne
beobachtet werden.

Zentral gab es eine kräftig flarende Fleckengruppe und am Rand
eine schön strukturierte Protuberanz.


Die
Händlerwiese war planiert. Hier sollen für eine
Gartenschau im kommenden Jahr
Blumen gepflanzt werden.

Das Händlerareal war dadurch weiter nach Osten gewandert.
Bresser, Skywatcher und ICS waren mit Ständen vertreten.

Bresser
präsentierte unter dem Label ´Explore
Scientific´ 2 neue Okularserien mit 92 und 72 Grad
Gesichtsfeld. Der Preis stand noch nicht fest.
Bei den 92 Grad Okularen darf man gespannt sein, ob es sich um
Brüder der legendären 17 und 12mm LER handelt. Der
Test am Stern steht noch aus. Das Gehäuse spricht eher
für eine andere Baureihe.

Weitere Touren über den Platz gab es regenbedingt
an diesem
Tag nicht.

Im Zelt
saß man bequem auf der Bierbank und wartete das das
Übel vorüberzog.



Zwischendurch
schien auch mal die Sonne und es war ein kurzer
aber intensiver Regenbogen zu sehen.


Der Freitag begann erneut regnerisch und erneut mit einem
Weißwurstfrühstück.
Nach einem Mittagsschlaf ging es wieder recht spät auf den
Platz.
Diesmal wurde etwas rumgewandert und nach Highlights gesucht.
Doch große Optiken gab es kaum. Die große Wiese am
Ende die sich in den Vorjahren zum ´Tal der
Riesendobsons´ entwickelte, war diesmal leer.

Die Zahl der
Teilnehmer dürfte wetterbedingt etwa ein Drittel kleiner
gewesen sein als in den Vorjahren.
Das größte Teleskop am Platz war dieser 50cm
Spiegel.

Eines der interessantesten Teleskope war dieser 12 Zoll
Doppelschiefspiegler der am nächsten Tag
auch prämiert wurde.

Am Abend gab es Schnitzel am Kiosk und danach noch ein Absacker im
Quartier.
Auf dem Weg nach Hause waren Sterne zu sehen, so dass nochmal ein
Schlenker zum Campingplatz unternommen wurde. Mit der Ankunft zogen
aber schon wieder Wolken auf
und es gelang nur noch ein kurzer Blick auf den Ringnebel mit
einem 10 Zoll Dobson.


Auf dem Rückweg gab es noch ein ´Hallo´
bei den Mitarbeitern von Bresser.
Bier war leider alle, aber Cola war noch da.

Samstag Mittag wurden wie jedes Jahr die schönsten
Selbstbauten prämiert.

Ein
Highlight war dieser 18 Zoll Dobson der ohne Schrauben zusammengesteckt
werden kann.
Wie schnell das geht, demonstrierte der Eigentümer vor Ort.




Der Trick
sind Steckfassungen mit kleinen Bolzen aus Buchsbaum,
die auch beim Geigenbau verwendet werden.
Eine Buchse ist ein Hohlzylinder zur Lagerung oder Führung
runder Bauteile des Maschinenbaus.
Der Begriff leitet sich wohl vom Buchsbaum ab.

Björn
Kattentidt bekam einen Sonderpreis
für seinen Flasher der eine genaue Zeiterfassung bei der
Videoastronomie ermöglicht.

Eine Umfrage nach dem Verbleib von Björn Hamann blieb leider
erfolglos:

Nach der Preisverleihung bauten die ersten ab, da es auch in der
letzten Nacht Wolken geben würde.
Simple Idee, aber wirksam. Einfach die Dobsonplatte mit Zeltheringen am
Gras-Boden festklopfen:

Eine Option für das nächste mal??

...und es gibt sie doch...

...die guten Ideen auf dem ITV:
Am Sonntag stand eine Besichtigung von Aschaffenburg auf dem Programm.
Die Stadt im Grenzgebiet zwischen Hessen und Franken gehörte
jahrhundertelang zum Kurbistum Mainz.

Der Mainzer
Erzbischof hatte hier umfangreichen
Grundbesitz und mit Schloss Johannesburg entstand hier eine
der größten Schlossanlagen des frühen 17
Jh.


Die
gewaltige Vierflügelanlage wurde 1605 bis 1614 errichtet. Sie
gehört zu den bedeutendsten Schlossbauten der deutschen
Spätrenaissance. Der gesamte Baukörper ist streng
symmetrisch als Vierflügelanlage im Geviert gehalten und hat
Außenmaße von 87,5 m mal 86 m.

Die
achtstöckigen Ecktürme sind 52 Meter hoch, was auch
der Breite der einzelnen Flügel entspricht.
Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg musste
zunächst das Äußere des Schlosses
wiederhergestellt werden, bevor 1964 die ersten Schauräume und
Sammlungen mit den geretteten Ausstattungsstücken neu
eröffnet werden konnten.



Zu
besichtigen sind eine Gemäldegalerie mit Werken von Lucas
Cranach d. Ä., die Paramentenkammer mit Ornaten aus dem
ehemaligen Mainzer Domschatz, die Korkmodellsammlung antiker Bauten und
die mit klassizistischem Mobiliar ausgestatteten Fürstlichen
Wohnräume.
Das Mobiliar ist noch Original und war im Krieg ausgelagert.







Das Highlight ist die Cranach-Sammlung











Nicht
ausgelagert war der Renaissancealtar der Schlosskapelle.
Er ist zusammen mit der Kanzel und den Portalskulpturen das
bedeutendste Werk des Künstlers Hans Juncker.

In
mühevoller Kleinarbeit wurden der heutige Altar aus
den Bruchstücken des Krieges zusammengepuzzelt. Trotz der
Beschädigungen ist die Qualität des Werkes wieder
klar zu erkennen.
Der 1614 gestaltete Altar besteht aus rötlichem, schwarzem und
achatfarbenem Marmor und füllt die östliche Wand in
der ganzen Höhe. Er
umfasst rund 150 Figuren, die freiplastisch oder im Relief aus
Alabaster gearbeitet sind. Dargestellt werden das
Erlösungswerk und die
Passion Christi. Im zentralen Hauptbild wird Christus am Kreuz gezeigt.
Oberhalb davon findet sich im Aufsatz die Darstellung der
Auferstehung. 

Unter anderem findet sich auch ein Porträt des Bauherrn mit
dem Modell des Schlosses.

An der 1618
ausgeführten Kanzel wird am Schaft auf die Propheten Moses
David und Salomon verwiesen. Die Kanzelverkleidung enthält
Darstellungen der Kirchenväter Ambrosius, Hieronymus,
Augustinus und Gregor sowie Christus als Weltenlehrer begleitet von den
vier Evangelisten und Paulus und Petrus. Die aufwendigen Reparatur- und
Rekonstruktionsarbeiten in der Schlosskapelle zur Beseitigung der
Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg konnten erst im Jahr 1989
fertiggestellt werden.


Die Sammlung von Korkmodellen römischer Bauten ist ein
sehenswertes Kuriosum.
Die Modelle sind äußerst detailverliebt und spiegeln
den Zustand der antiken Gebäude vor 200 Jahren.

Von 1814 bis zum Ende der Monarchie 1918 gehörte das Schloss
der Bayerischen Krone.
Besonders Ludwig I. war gern in Aschaffenburg und erbaute mit dem
Pompejanum ein ungewöhnliches Museum für
seine Antikensammlung.
Das Pompejanum ist ein Nachbau einer römischen Villa.


Für die prachtvolle Ausmalung der Innenräume und die
Mosaikfußböden wurden antike Vorbilder kopiert oder
nachempfunden.







Das Pompejanum wurde im Krieg stark
beschädigt:

Erst ab 1960 wurde das Pompejanum in
mehreren Phasen wiederaufgebaut und restauriert.


Seit 1994 sind hier originale römische Kunstwerke aus den
Beständen der Staatlichen Antikensammlung und Glyptothek in
München zu sehen.






Neben
römischen Marmorskulpturen, Kleinbronzen und Gläsern
zählen zwei seltene Götterthrone aus Marmor zu den
wertvollsten Ausstellungsstücken.

Im Obergeschoss beschäftigte sich eine Sonderausstellung mit
Antiken Mischwesen.







Verglichen mit der Sammlung im
Schloss ist das Stiftsmuseum eher
bescheiden.






Ab 1775
entstand der Park Schönbusch
3km südwestlich von Aschaffenburg im neuen englischen
Landschaftsstil.
Der um 1785 berufene Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig
Sckell, der bedeutendste Gartenkünstler der Goethezeit,
verlieh dem Landschaftsgarten Schönbusch schließlich
seine klassische Form. Zum 160 Hektar umfassende Park gehört
heute ein gut besuchter Biergarten.



Das klassizistische Gartenschloss, erbaut
1778 bis 1782 nach
Plänen des Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen, ist durch
eine Blickachse mit dem Stadtschloss Johannisburg verbunden. Seine mit
Mobiliar im Stil Louis-seize eingerichteten zehn Schauräume
bieten ein anschauliches Beispiel fürstlicher Wohnkultur am
Ende des 18. Jahrhunderts.


Die Tour durch die wenigen Räume
dauert nur etwa 20min. Barocke Pracht war 1782 nicht mehr angesagt. Die
Einrichtung hat eine eher schlichte, klassizistische Eleganz.
Besonderer Wert wurde auf die exakte Abstimmung der Wandbespannungen
und Möbelbezüge gelegt.


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