Planetarischer Nebel M57 (Ringnebel in der
Leier)
M57, Durchmesser ca. 90'', Helligkeit 8,8 mag
2026 gab es Veröffentlichungen über die unerwartete
Entdeckung einer Eisen-Emission im Ringnebel. Sie wurde unter
https://academic.oup.com/mnras/article/546/1/staf2139/8425243(in
https://www.ucl.ac.uk/news/2026/jan/mysterious-iron-bar-discovered-famous-nebula
und
https://ras.ac.uk/news-and-press/research-highlights/mysterious-iron-bar-discovered-famous-nebula)
beschreiben.
Eine Erklärung für diese Eisenstange gab es nicht.
Die Emission liegt bei 423 nm, also bestens im Amateuren
zugänglichen Spektralbereich. Es stellte sich Frage ob sich
die Eisen-Emission mit einem passenden Filter auch mit Amateurmitteln
nachvollziehen lässt.
Für das Experiment verwendet wurde ein
Omegon-47-Violett-Filter. Die Emission von M57 beschränkt sich
zu über 90% auf die 3 Linien von H-Beta bei 486,
OIII bei 501nm und H-Alpha bei 656nm. Alle 3 Linien werden von dem
Omegon-47 effektiv geblockt.

Das durch den Filter entstandene Bild vom Ringnebel sieht aus wie
tausend ähnliche
Ringnebelaufnahmen, ist aber dennoch komplett anders. Was hier zu sehen
ist kommt im wesentlichen aus den Emissionslinien H-Gamma bei 434nm und
einer infraroten Sauerstofflinie bei 732nm.
Im inneren des Ringnebels wird eine propellerförmige Struktur
sichtbar, bei der es sich jedoch nicht um die
´Eisenstange´ handelt.


Am besten passt der Propeller
zu Strukturen der roten Sauerstofflinie

Im Sommer
2013 wurde in der bei M57 stehenden Galaxie
IC1296 die Supernova SN2013ev entdeckt. Sie war mit 17mag eher
schwächlich. Wenn die Galaxie nicht neben dem Ringnebel M57
stehen würde, fände sie kaum Beachtung.

Im Blink gegen den POSS ist die Supernova gut zu erkennen.

Der Ringnebel ist ein Klassiker des Sommerhimmels.
Das folgende Bild entstand am 16.8.2004
mit dem 32-Zöller der VSW München.

Das Seeing war wechselnd. Deswegen
wurden nur 15% von 3300 Mintronbildern a 1,28 sec
selektiert. Verarbeitung und
Schärfung erfolgten mit Giotto.

Für die obere Aufnahme
wurde ein H-Alpha Filter verwendet.
Wegen des Filters ist der Zentralstern nicht zu erkennen.
Auch das OIII-helle Nebelzentrum ist deshalb unsichtbar.
Es handelt sich um ein Mittelbild aus 199 Mintronaufnahmen a 2,56 sek.
Mehr Aufnahmen waren wegen der Bildrotation nicht möglich. Der
Restfehler wurde mit einem Maximum-Entropie-Filter herausgerechnet.
Wenn man das Weislichtbild mit dem H-Alpha-Bild vergleicht, kann man
gut erkennen,
dass die inneren Bereiche bevorzugt im OIII und die
äußeren Bereiche bevorzugt
im H-Alpha strahlen. Durch den zunehmenden Abstand vom Zentralstern
nimmt die anregende Energie ab und das Helligkeitsmaximum verschiebt
sich von Blau-Grün nach Rot.
Durch Differenzbildung zwischen Bild1 und Bild 2 kann man den
OIII-Anteil sichtbar machen.

Der Farbverlauf ist auch auf der folgenden Aufnahme zu erkennen.
Sie ist ein LRGB mit einem Farbauszug aus einer früheren
Aufnahme.

M57 mit 12
Zoll


Übersicht über die Region von M57. Nur 5 Bogenminuten
entfernt steht die kleine 15 mag Galaxie
IC1296. Sie ist sehr diffus. Unter Top-Bedingungen ist so so grade im
13'Zöller zu erahnen, während
sie bei mäßigen Himmel selbst im 20-Zöller
problematisch ist. Auf dem Foto ist sogar die Spiralstruktur dieser
Face-On-Galaxie zu erkennen.

Die hohe Flächenhelligkeit des Objektes ermöglicht
den Einsatz einer Barlow-Linse.
Dadurch kann die Auflösung verbessert werden.
Zahlreiche Ringstrukturen und der Zentralstern sind gut zu sehen.

Bei diesen L-R-GB wurde auf die obige Luminanz-Aufnahme das Farbsignal
von 2 Filterfotos aufgeprägt.
Es wurden Folienfilter eingesetzt bei denen der Grün- und der
Blau-Kanal nicht getrennt werden.
Die roten und grünblauen Bereiche lassen sich trotzdem gut
abgrenzen. Man kann
gut erkennen, wie die anregende Energie mit steigenden Abstand vom
Zentralstern abnimmt und
so unterschiedliche Emissionslinien aktiviert werden.

Der Ringnebel ist von einer schwachen Halo umgeben, die in
Geräten der 20-Zoll-Klasse
als sehr schwacher Glow zu sehen ist. Fotografisch ist die Halo sehr
schwierig aufzunehmen. Sie wurde erst nach einer starken
Kontrastanhebung sichtbar.
M57 mit 32
Zoll

Bessere Resultate gelangen am 80cm Spiegel der VSW München
unter Verwendung
eines 15nm H-Alpha-Filter. Mit der Watec war das SNR nicht ausreichend,
doch
mit einer DSI-3 gelang es schöne Strukturen herauszuarbeiten.

Das Halo von M57 ist von einer noch älteren
Außenschale umgeben, die jedoch
nur in Fragmenten nachgewiesen werden konnte.
M57 am
Taghimmel

Nach langen Experimentieren ist
es auch gelungen M57 am Taghimmel zu
fotografieren.Schon vorab war es
mehrfach möglich mit engen OIII-Filtern
und Polfiltern bei optimierten Sonnenabstand
helle Planetarische Nebel am Taghimmel abzulichten.
Dazu wurden Tausende von Webcam- oder
Watec-Bildern addiert um das Objekt aus
dem Rauschen herauszuquetschen. Erfolge
gab es bei den
flächenhellen NGC 7027, NGC6572, NGC6826, NGC7009, NGC3242 und
NGC3662. Als echte
Herausforderung erwies sich M57.
Er wurde ein halbes Dutzend
unterschiedlicher Filter- und Kamerakombinationen
durchgespielt, doch dieses Objekt war einfach nicht zu knacken.
Unerwartet hat es im Juli 2008 doch noch geklappt.
5 min nach Sonnenaufgang entstanden
37 Bilder mit einer DSI-3 bei 0,5 sek Belichtungszeit.
Verwendet wurde ein 15nm H-Alpha-Pass-Filter
und das 80cm Teleskop der VSW München.
Das Summenbild zeigt grenzwertig einen
schwachen Ring. - Man kann die Aufnahme kaum
herzeigen, doch es ist wirklich M57. Position und Orientierung passen
genau zu einem
vorab erstellten Testbild.

Weitere
Infos zu Planetarischen Nebeln und analoge Aufnahmen

Hauptseite
zurück
zur Photogallerie
Weitere
Mintron-Aufnahmen