Spanien August 2026 - Tag 2 - Sonnenfinsternis II - Polarisation

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Das der Taghimmel polarisiert ist, wurde schon vor etwa 100 Jahren festgestellt. Im Abstand von 90 Grad der Lichtquelle ist die Polarisation maximal. 

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Die Polarisationsänderung während einer totalen Sonnenfinsternis wurde jedoch erst in den 60er und 70er Jahren ein Thema für die Wissenschaft.
Die Stärke und Verteilung der Polarisation schwankt mit den Rahmenbedingungen der Finsternis. Die Breite des Schattenkegels, der Gehalt an Aerosolen und Restbewölkung sind ein wichtige Einflußfaktoren. Auch der Sonnenstand und die Größe der Sonnenkorona haben einen Einfluß. In der Literatur finden sich Studien zu etwa ein Dutzend unterschiedlicher Sonnenfinsternisse. Die Meßwerte schwanken teilweise um mehr als 50%!
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Ein erstes Experiment zu dem Thema gab es bei der Sonnenfinsternis vom 1.8.2008.
Geometrisch waren dort die Bedingungen für Polarisationsexperimente besonders günstig. Die Sonne sollte während der Totalität nur etwa 20 Grad Höhe erreichen. Vor und nach der Finsternis sollte daher in Zenitnähe die Polarisation fast maximal sein. Während der Finsternis sollten sich die Verhältnisse komplett umkehren und im Zenit die Werte dramatisch zurück gehen.
Für die Messung wurde eine einfache Digitalkamera mit Weitwinkelvorsatz verwendet. Die Fotos waren extrem unterbelichtet und die Meßwerte lagen nur marginal über der Rauschschwelle. Erst durch eine heftige Bildbearbeitung war noch etwas zu retten. Dadurch das mit einem starken Weichzeichner die Werte mehrere Pixelfelder gemittelt wurden, ließ sich das Signal-zu-Rauschverhältnis soweit verbessern, dass einige qualitative Aussagen gemacht werden können.


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Polarisationsstärke des Himmels als Grauwert in China 2006. Links Totalität. Rechts vor der Totalität.
Die Umkehrung der Polarisations-Verhältnisse ist gut zu erkennen

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Auf diesem Bild ist der Zenit als Region mit der stärksten Polarisationsänderung markiert


Wie nach den Modellen zu erwarten war, sank der Polarisationsgrad in Zenitnähe drastisch herab. Die theoretisch vorhandene Restpolarisation des Koronastreulichts lag unterhalb der Meßgenauigkeit.

Das vom Horizont kommende Restlicht ist in seiner bevorzugten Schwingungsebene 90 Grad gegen die Sonnenrichtung orientiert. Da die Kamera nur ein Gesichtsfeld von 130 Grad besitzt, wurde sie etwas Richtung Nordwesthorizont gekippt. Daher ist die Polarisation auf den Bildern nicht rotationssymmetrisch und der Zenit außermittig versetzt. Der untere Gesichtsfeldrand liegt etwa 10 Grad über dem Westhorizont.

Leider war der Himmel nur teilweise frei und alle Aufnahmen waren um mehrere Blendenstufen unterbelichtet, so das sie nur begrenzt auswertbar waren.
Wegen der Unterbelichtung der Bilder ist die Auswertequalität noch nicht zufriedenstellend.




2026 wurde das Thema Allskypolarisation nochmal aufgegriffen. Der Grund ist die Entwicklung neuer Kamerachips durch Sony, die eine Polarisation direkt messen können.


Statt einer Bayermaske haben die Polarisationskameras eine Schlitzmaske. Die 4 Pixel eines Clusters haben RGGB-Filtern Schlitzmasken mit 45,90,135 und 180 Grad Drehung. Lineare Polarisation lässt sich so durch die 4 Stokes Parameter direkt messen. Es gibt keine beweglichen Teile sondern ein Livebild wie bei einer Farbkamera.


Der Anwendungsbereich ist primär die Qualitätskontrolle in der Industrie. Spannungen in Gläsern lassen sich per Polarisation ermitteln aber auch einfach Reflexe minimieren.


Die Polarsens-Technologie von Sony (insbesondere durch Sensoren wie den IMX250MZR) wird zunehmend in der wissenschaftlichen Astronomie und Astrophysik eingesetzt.
 

Beispiel Mond:


Obwohl die Sensoren ursprünglich für die industrielle Qualitätskontrolle (Machine Vision) entwickelt wurden, bietet die On-Chip-Polarisation für Astronomen einen revolutionären Vorteil bei der Polarimetrie


The Firma The Imaging Source (TIS) stellte freundlicherweise eine Polarisationskamera zur Verfügung.

 
Klassische astronomische Polarimeter müssen ein mechanisches Filterrad oder optische Modulatoren drehen, um nacheinander Aufnahmen bei z. B. 0°, 45° und 90° zu machen. Das kostet Zeit, und atmosphärische Störungen (Szintillation) zwischen den Aufnahmen verfälschen die Daten.

Mit einer Kamera mit Sony-Chip kann man die Polarisationsänderung währen der Totalität ´life´ dokumentieren


Die mitgelieferte Software hat 2 Modi. Der Schwarzweißmodus zeigt die Stärke der Polarisation als Helligkeitswert an. Ein Farbmodus zeigt die Polarisationswinkel. Erste Tests machte Peter Slansky anhand eines Regenbogens:


Die verschiedenen Modi zeigen leider nur entweder den Polarisationsgrad oder den Polarisationswinkel. Immerhin ist zu erkennen, dass das Licht innerhalb des Regenbogen polarisiert ist und der Verlauf zum Zentrum abnimmt. Wir mussten uns für die Sonnenfinsternis für einen der Modi entscheiden. Der Farbmodus zeigt zumindest im geringen Maße auch die Stärke über die Farbintensität.

Vor der Totalität ist die Sonne die dominante Lichtquelle. Da sie am Horizont steht und im Abstand von 90 Grad die Himmelspolarisation maximal ist, bildet sich mit der Sonne im Westen am Himmel ein polarisierter Balken der etwa durch den Meridian läuft.


Mit der Totalität wandelt sich das Bild. Die Lichtquelle ist bei einem runden Kernschatten eine am Horizont entlanglaufende Ringbeleuchtung. Da der Zenit 90 Grad vom Horizont entfernt ist hebt sich die Polarisation dort auf und erreicht ein Minimum.


Durch die Horizontnähe war der Mondschatten bei der Finsternis 2026 jedoch nicht rund sondern länglich. Man konnte mit freien Auge gut erkennen, das in Richtung Sonne ein langgestreckter Mondschatten lag. Da die Sonne im Westen Stand lag der lange Mondschatten auf der Linie Ost-West. In Richtung Nord-Süd war der Mondschatten viel kürzer und man konnte aus den Schatten heraus in die noch beleuchtete Landschaft schauen. Auf der sonnenabgewandten Seite reichte der lange Schatten bis über den Horizont hinaus.


Welche Auswirkungen hat dies auf die Polarisation? Das Licht kommt nicht von einer Ringbeleuchtung sondern von 2 Schlitzen in Nord und Süd. In Zenitnähe sollte es weiterhin ein Minimum geben das aber länglich in Ost-West gezogen ist. Die Ergebnisse der Kamera zeigten kein längliches Minimum. Das kann einfach am gewählten Kameramodus liegen, der nur Winkel aber kaum Intensitäten anzeigte. Interessant ist, dass das Minimum aus dem Zenit versetzt ist. Dies liegt daran, das der Schatten in Ost-West asymmetrisch ist. Der Versatz entspricht im Winkel etwa der Resthöhe der Sonne.


Die Polarisationswinkel konnten anhand eines früheren Regenbogens geeicht werden, der als Testbild verwendet wurde.


Frühere Experimente an Regenbögen hatten gezeigt, das der blaue Bereich etwa dem Winkel von 135 Grad entspricht. Grün liegt grob bei 45 Grad. Der Gegensonnenpunkt entspricht 180 Grad und ist damit identisch zum Winkel in Sonnenrichtung.


Resultat:
-Während der Totalität kippt die Polarisation und ändert sich trotz des beweglichen Mondschatten
  in den 1,5 min nur wenig.
-Die Polarisationswinkel laufen zum Horizont zirkular um das Minimum
-Das Minimum der Polarisation ist nicht exakt im Zenit, sondern leicht versetzt.
-Ein länglich verformtes Minimum war nicht nachweisbar, was technische Gründe haben könnte.



Literturtipps:

1) A. Wilkie: An Analytical Model for Skylight Polarisation http://www.cg.tuwien.ac.at/research/publications/2004/Wilkie-2004-AMS/Wilkie-2004-AMS-.pdf

2) Können, G. P.: Skylight polarization during a total solar eclipse: a quantitative model. http://www.guntherkonnen.com/downloads/1987_eclipsesky_JOSAA.pdf

3) M. Vollmer: über die Farben der Sonne und des Himmels: Rayleigh- und Miestreuung in der Atmosphäre Physikalische Ingenieurwissenschaften, Fachhochschule Brandenburg http://www.didaktik.physik.uni-essen.de/heraeus_2005/DVD/Vollmer/Streuung_cd_rom.pdf

4) C. Emde: Simulation of solar radiation during a total eclipse: a challenge ... http://hal.archives-ouvertes.fr/docs/00/29/62/13/PDF/acp-7-2259-2007.pdf

5) Glenn E. Shaw: Sky Brightness and Polarization During the 1973 African Eclipse

4) I. Pomozi: Fine structure of the celestial polarization pattern and its temporal change during the total solar eclipse of 11 August 1999 http://eos.wdcb.ru/transl/izva/9404/pap07.ps


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