Spanien August 2026 - Tag 7 - Oviedo

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Der Begriff Vorromanik oder Präromanik bzw. Protoromanik umfasst in der Kunstgeschichte die Epochen des Frühmittelalters im europäischen Raum, etwa vom 5. bis ins 11. Jahrhundert. Er kennzeichnet die Zeit bzw. den Übergang von der Spätantike zur Romanik. Die Bezeichnung wird hauptsächlich für die Baukunst verwendet. In Mitteleuropa fällt der Zeitraum in die Völkerwanderung und in die Karolingerzeit Bauten aus dieser zeit haben sich europaweit kaum erhalten. In Deutschland wäre das Westwerk von Corvey zu nennen und die Königshalle in Lorsch. In Spanien wechselte in dem Zeitraum die Herrschaft zwischen Byzanz, Westgoten und Arabern. An der spanischen Nordküste gab es zu jener Zeit das autonome, christliche Fürstentum Asturien. Die Hauptstadt war Oviedo. Im Rahmen der Reconquista verlor Oviedo rasch seinen Hauptstadt-Status und dadurch haben sich hier fünf der Baudenkmäler aus dem 8 Jh. erhalten. Wie Lorsch und Corvey gehören sie zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Auf dem Berg Naranco, befinden sich zwei Baudenkmäler aus der asturischen Vorromanik, ein einzigartiger Stil voller Kreativität, der sich zwischen der Westgotik und der Romanik entwickelte.

Santa María del Naranco ist das schönste und harmonischste Beispiel. Es wird angenommen, dass das Gebäude einst ein Bestandteil einer Residenzpalastanlage gewesen war und als Aula Regia, also als Empfangs- oder Thronsaal genutzt wurde.

Ramiro I. (842-850) wird als Erbauer vermutet. An der Innen- wie an der Außenfassade sind in den Zwickeln zwischen den Bögen 32 von Taubändern umrahmte Medaillons angebracht, in deren Mitte Pfaue, Pelikane, Schwäne oder ein Raubtier mit einem Schlangenschwanz dargestellt sind. Über den Medaillons erstrecken sich bis zum Gewölbeansatz kannelierte Lisenen. Auf einigen sind bewaffnete Reiter zu sehen und Personen, die über ihrem Kopf einen Gegenstand halten, auf anderen asturische Siegeskreuze, an deren Armen Alpha und Omega hängen. Diese Kreuze gelten als Emblem des asturischen Königshauses.

Das Gebäude hat zwei Etagen, jeweils mit drei Räumen und großen architektonischen Innovationen – Tonnengewölbe, Strebepfeiler sowie eine reichliche Dekoration in Form von Kapitellen und Rosetten. An den Stirnseiten des Hauptsaals öffnen sich über den großen Aussichtsarkaden Triforien mit gestelzten Rundbögen und spiralförmig verzierten Säulen, die korinthische Kapitelle tragen Die tragenden Säulen des Hauptsaals bestehen aus je vier Strängen, die gewunden und kanneliert oder mit Taubändern verziert sind. Sie tragen Pyramidenstumpfkapitelle, mit Vögel und Löwen sowie kleine, auf Stöcke gestützte Personen.

Nur 300 m von Santa María del Naranco befindet sich die kleine Kapelle San Miguel de Lillo. Sie ist nur der Rest eines größeren Bauwerks das im 11. Jahrhundert einstürzte. Bei San Miguel sticht die bildhauerische Dekoration hervor, ebenso die Säulen, Sockel und Kapitelle, aber am wichtigsten sind die Pfosten des Portals. Innen sind noch dekorative Malereien im Urzustand zu sehen. Der Eintritt für diese Kirchen ist Montags kostenlos. Ein ´Aufpasser´ wechselt zwischen den Gebäuden und öffnet sie im halbstündigen Abstand für wenige Minuten.

Praktisch im Zentrum von Oviedo befindet sich die Basilika San Julián de Los Prados, auch Santullano genannt, die als das älteste und größte noch erhaltene Gebäude der asturischen Vorromanik gilt. Sie wurde unter der Herrschaft von Alfons II. dem Keuschen (791-842) erbaut und dem Heiligen Julián und seiner Frau, der Heiligen Basilisa, geweiht. Das Innere ist nur mit Führung zu besichtigen. Die Führung ist in Spanisch aber auf Nachfrage werden einige Details in Englisch erklärt. Es gibt einen typisch dreischiffigen Grundriss einer derartigen lateinischen Basilika, sticht besonders die malerische Dekoration hervor, sowohl wegen ihrer großen Flächen, als auch wegen der Vielfalt der Darstellungen, die zu ihrer Zeit in ganz Westeuropa geläufig waren.

Wie bei Santa María del Naranco ist deutlich der Byzantinische Einfluss zu spüren. Dies zeigt sich in den erhaltenen Malereien. In Byzanz herrschte im 9Jh. der Bilderstreit. daher sind in den Malereien keine figürlichen Darstellungen vorhanden. Statt dessen gibt es Quadrate, Kreise, architektonische Formen, Blumenmotive, Mäanderbänder und Behänge. Das Tonnengewölbe der Mittelapsis ruht auf Blendarkaden. Säulen und Kapitelle sind wiederverwendet und stammen aus spätrömischer Zeit.

Die Cámara Santa (Heilige Kammer) gehört zur Kathedrale San Salvador von Oviedo In der Cámara Santa werden der Domschatz und bedeutende Reliquien aufbewahrt.

Der ´heilige Schrein´ aus dem 11 jh. hat eine Länge von 1,19 Metern, eine Breite von 93 cm und eine Höhe von 75 cm. Auf der Vorderseite ist in der Mitte Christus in der Mandorla, umgeben von vier Engeln, dargestellt und seitlich, unter Arkaden stehend, die zwölf Apostel. An den Seitenwänden sind die Geburt und die Himmelfahrt Jesu dargestellt und auf der Oberseite Szenen der Passion.

Das schlichte Engelskreuz ist aus dem Jahr 808.

Das Siegeskreuz wurde von Alfons III. in Auftrag gegeben und im Jahr 908, hundert Jahre nach der Stiftung des Engelskreuzes durch Alfons II., der Kathedrale von Oviedo geschenkt.

Ein kleines Achatkästchen stammt aus dem Jahr 910.






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