Mofi auf La Palma 15/16.5.2022 2022


grossbritannien.gif spanflag.jpg flagde.gif

gauche.gif


Die Mondfinsternis vom 16.5.22. fand in Europa in der Morgendämmerung statt. Selbst ganz im Westen in Irland oder auf der Iberischen Halbinsel war die Finsternis nicht komplett zu sehen.....Doch es gab eine Ausnahme. Auf der westlichsten der Kanarischen Inseln war die komplette Totalität bei perfekter Dunkelheit zu beobachten und der Austritt aus dem Kernschatten fiel in die Dämmerung.

Das Ticket kostete von München aus nur 250 Euro. Das war für ein verlängertes Wochenende OK zumal sich die Gelegenheit anbot auch die Teleskope auf dem 2426m hohen Roque de los Muchachos zu besichtigen und einem Abstecher zum Vulkan Cumbre Vieja hinzuzufügen. Der Vulkan war während seines Ausbruchs im letzten Oktober schon mal das Reiseziel und es war spannend zu schauen was aus ihm geworden war. Kurz vor Weihnachten endete die Eruption und in den 5 Monaten hatten die Menschen etwas Zeit sich an die neue Situation anzupassen.

Die Wettervorhersage war im Vorfeld nicht optimal. Es sollte auf den Kanaren einige Wolkenfelder geben.


Tatsächlich war der Himmel in Santa Cruz bedeckt. Die Wolken waren jedoch niedrig und bei der Fahrt hinauf auf den Roque wurde klar, dass in der Nacht kein Wölkchen die Beobachtung trüben würde. Die Transparenz war ab 2000m sogar extrem gut und der Himmel tiefblau.


Entlang der Straße blühten zahlreiche Riesen-Natternköpfe mit ihren gewaltigen Blütenständen (https://de.wikipedia.org/wiki/Echium_pininana). Auf La Palma ist dies eine endemische Art. Typisch ist die violette Farbe. Auf Teneriffa gibt es ebenfalls Riesen-Natternköpfe, doch die dortige Art hat rote Blütenstände. Zwischen den Blüten sausten die Hummeln im prallen Sonnenlicht hin- und her.

Der Riesennatternkopf ist ein typisches Beispiel für Inselgigantismus. Es sind 65 Arten der Gattung bekannt. Die Blüten der Festlands-Arten sind i.d.R. nur etwa faustgroß oder kleiner.

Auf dem Gipfel war die optimale Wahl des Beobachtungsplatzes entscheidend. Erkundigungen im Vorfeld hatten gezeigt, dass sie die Helikopterlandeplätze unweit der MAGIC-Teleskope gut als Beobachtungsposition eignen könnten. Wichtig war ein freier Blick nach West-Süd-West zum Azimut von 245 Grad. Dort sollte der Mond nach der Finsternis untergehen.


Am Helikopterlandeplatz war mit Antonio Gonzalez auch ein lokal bekannter Amateurastronom zugegen. Einen netten Kontakt gab es auch zur Kontrollmannschaft des MAGIC-Teleskops. Wegen des Vollmondes gab es dort in dieser Nacht keine Gamma-Strahlen-Messungen. Die Gelegenheit wurde jedoch für interferometrische Tests genutzt. Es ist möglich Teile des Teleskops zu oder abzuschalten. Auf diese Weise lässt sich ein Michelson-Interferometer simulieren um Sterndurchmesser zu bestimmen. Ein weiteres Ziel in Vollmondnächten ist die Beobachtung von Asteroidensternbedeckungen. Da hier nur ein On-Off-Signal benötigt wird, ist die optische Qualität der Oberflächen nicht so entscheidend.


In der Dämmerung wurden die Teleskope aufgebaut. Das erste Ziel war die untergehende Sonne. Über dem Meer lag eine schmale Wolkenbank unterhalb derer sich der Himmel nochmal als 10 Bogenminuten breiter Silberstreif öffnete. Die Sonne wurde also beim Untergang zunächst durch die Wolken verdeckt lief dann aber durch diesen schmalen Schlitz direkt auf das Meer zu. Beim Verschwinden der Sonne war ein intensiver Blue Flash zu erkennen. Der Blue-Flash war sehr klein und sehr kurz aber relativ hell.

Grünanteile gab es zwar auch, doch diese waren vergleichsweise unauffällig. Im 8x26 Pocketglas war die Sonne selbst von erträglicher Helligkeit und überhaupt nicht blendend. Die Auswertung der Fotos zeigte das es auch oberhalb des Wolkenstreifens einen Blueflash gab. Dieser wurde nicht gesehen aber fotografiert. Beim Blue-Flash im Wolkenstreifen war es andersrum. Er wurde gut gesehen aber auf dem Foto war er nicht. Einen Greenflash gab es noch am Folgetag - Leider ist auch diese Aufnahme verwackelt.



Da nur Handgepäck gebucht worden war konnte nur eine kleine Ausrüstung mitgenommen werden. Sie bestand aus einem 72mm f/6 ED-Refraktor auf einer Staradventurer und einem 180mmm Teleobjektiv. Ferner wurde in Fisheye verwendet um die Helligkeitsentwicklung des Mondes im Halbschatten genauer zu bestimmen.


Mit der aufziehenden Dämmerung ging der Mond hinter dem Kamm des Roque auf.

Er wanderte so im Laufe der Nacht an den Sternwarten vorbei. Obwohl es bis zur Mofi noch einige Stunden dauerte wurde die Zeit nicht lang. Gelegentlich wurden ein paar Worte mit Antonio Gonzalez gewechselt, ein paar Szenefotos geschossen oder das MAGIC-Team besucht.

Schon zu Beginn der Halbschattenfinsternis war recht früh eine leichte Trübung am linken Mondrand sichtbar. Auf dem Fotos ist er besser zu erkennen als visuell.


Mit dem Beginn der Totalität wurde der Himmel extrem dunkel. Der rote Mond stand rechts neben dem vollständig sichtbaren Skorpion über den MAGIC-Teleskopen. Die extrem helle und kontrastreiche Milchstraße reckte sich links vom Skorpion hoch in den Zenit. Ein umwerfender Anblick. Im 8x26 Fernglas waren M6 und M 7 leicht zu sehen. M6 erschien klein und oval mit einem halben Dutzend hellerer Sterne vor nebulösen Hintergrund. Das Achsverhältnis des Ovals ist grob 1:2 und die Orientierung Ost-West. M7 ist deutlich größer und runder. Mehr als ein Dutzend hellerer Sterne stehen gestreut beisammen. Beide Sternhaufen passten gut zusammen in das Fernglasgesichtsfeld. Sie waren nicht schwächer als M8 im Schützen. Die Milchstraße im Schützen war knallig. Die Schildwolke stach heraus.

Strichspuraufnahme der Totalität.

Währen der Totalität zeigte sich im 8x26 ein interessanter vorher nicht beachteter Effekt. Durch die AP von 3,2 war der Mond weniger rötlich als mit freien Auge.
Im Fernglas waren dank des perfekten Himmels um den verfinsterten Mond massig Sterne zu sehen, die auf länger belichteten Fotos auch  gut zu erkennen sind.



Während der Finsternis wurde die MAGIC-Mannschaft besucht um gemeinsam die Totalität anzuschauen. Nebenbei wurden dabei auch 3 Sternschnuppen gesichtet. Eine zog fast waagerecht unter dem Polarstern hindurch.

Die grünen Grafiken zeigen welche Spiegelsegmente und welche Pixel der Kamera einsatzfähig sind. Für die interferometrischen Experimente werden nur einzelne Segmente der Spiegel zugeschaltet.


Nach dem Ende der Totalität begann die Dämmerung. Der Austritt aus dem Kernschatten vollzog sich am leicht aufgehellten Himmel.


Es entstanden mehrere Videos die den Verlauf der Mofi dokumentieren.

Mondfinsternis auf La Palma am 15/16.5.2022
72/400 ED-Apo + Reducer-0,8 Star-Adventurer, EOS-M

Mondfinsternis auf La Palma am 15/16.5.2022
180mm Tele f/4, Star-Adventurer, EOS-M


Mondfinsternis auf La Palma am 15/16.5.2022 180mm Tele f/4, Star-Adventurer, EOS-M
Totalitšt Sternzentriert


Mondfinsternis auf La Palma am 15/16.5.2022 6,5mm Fisheye, EOS-M

Zum Schluss gab es noch einen unerwarteten Bonus. Kurz vor dem Verblassen des Mondes war der Erdschatten am Westhorizont zu sehen. Der Roque warf seinen eigenen Schattenkegel auf den Erdschatten. Auf der Spitze des Kegels stand der Mond, wie eine Christbaumkugel auf einem zu flach geratenen Weihnachtsbaum. Eine solch spezielle Geometrie kann es nur geben, wenn eine Mondfinsternis in der Dämmerung beginnt oder endet. Bei einer Mofi um Mitternacht wäre der Trabant in der Dämmerung schon zu weit vom Erdschatten entfernt.

In der Vertikalen um Faktor 5x gestreckt:

Der Anblick wurde bis zum letzten Moment ausgekostet und danach gab es ein paar Stunden Schlaf.

Co-Beobachter Antonio Gonzalez sendete noch ein Poster das er aus den Bildern dieser Nacht erstellt hat und das die Stimmung gut wiedergibt.



droite.gif



Hauptseite